Ich bin Viele – und trotzdem Ich Trauma, KPTBS, DIS, Überleben, Therapie, Alltag. Ein Raum, in dem ich meine Geschichte erzähle – ehrlich, mutig, ungeschönt.
🎭 Alltag in der Gedanken-WG – Kleinigkeiten, die unser Nervensystem in Vollzeit beschäftigen
Kleinigkeiten, die unser Nervensystem in Vollzeit beschäftigen
Alltag. Behörden. Therapie. Entscheidungen. „Wie geht es Ihnen?“
Diese Seite ist für das, was Alltag mit Trauma wirklich bedeutet.
Nicht dramatisch. Sondern anstrengend.
🧠 Wie sich Alltag mit Trauma anfühlt
Von außen sieht Trauma im Alltag oft enttäuschend langweilig aus.
Kein Schreien. Kein Zusammenbruch. Keine Zeitlupe mit dramatischer Musik, während wir den Müll rausbringen.
In der Gedanken-WG läuft Alltag eher so:
Alltagsperson: „Wir stehen jetzt auf.“
Körper: „Warum?“
Nervensystem: 🚨 „ALLES KÖNNTE PASSIEREN.“
Alle: 🌿 kollektives Seufzen
Wir stehen auf. Wir funktionieren. Wir lächeln.
Und während außen der Eindruck entsteht:
„Ach, geht doch.“
koordiniert innen ein komplettes Mehrfamilienhaus gleichzeitig:
🧠 Wer ist heute vorne? 🪜 Wie viel Energie ist da? 🚦 Welche Reize sind erlaubt? 🛑 Wo ist die nächste Notbremse?
👀 Was niemand sieht
Niemand sieht:
🪜 die Energie, die es kostet, überhaupt loszugehen 🌀 die innere Endlosfrage: „Geht das heute?“ 🔍 das permanente Scannen: Geräusche. Blicke. Erwartungen. Termine.
Trauma ist kein Dauerdrama. Trauma ist Daueranpassung.
🏠 In der Gedanken-WG nennen wir das
🧠 Unauffälliges Hochleistungsmanagement bei gleichzeitigem 🛠️ Systemverschleiß
Von außen:
„Du hast doch heute gar nichts gemacht.“
Von innen:
🪜 Aufstehen 🧠 Sortieren 🌿 Stabilisieren 🧩 Zusammenhalten 🛑 Nicht ausrasten ❄️ Nicht einfrieren 🌬️ Weiteratmen
Und das alles, bevor der Tag überhaupt angefangen hat.
🌿 Gedanken-WG-Fazit
Alltag ist hier keine Selbstverständlichkeit.
Er ist eine Leistung.
Nicht sichtbar. Nicht messbar. Aber extrem kräftezehrend.
🎭Warum wir Dinge anfangen – und nicht beenden können
Ein Dialog aus der Gedanken-WG Außenwelt: „Du fängst so viele Dinge an … warum ziehst du nichts durch?“ Gedanken-WG (geschlossenes WG-Meeting, Tür zu): „Aha. Wir erklären das jetzt. Alle bitte ruhig bleiben. Also … relativ ruhig.“ 🧠Szene 1: Der große Motivationsmoment Alltagsperson: „Super Idee! Das schaffen wir heute! Ich hab Energie! Fokus! Struktur!“ Beschützer: „Okay. Ich bleib wachsam. Aber los.“ Körper: „Ich sag schon mal nix. Noch.“ (Projekt wird gestartet. Motivation hoch. Außen wirkt alles normal.) 🧠Szene 2: Irgendwas kippt (aber keiner weiß genau was) Körper (leise): „Ähm … kleine Info: Puls steigt. Spannung auch.“ Alltagsperson: „Jetzt nicht. Wir sind fast drin.“ Trigger-Radar (piepst): „Unbekannte Parallele zu früher erkannt.“ Alltagsperson: „Zu früher was genau?!“ Trigger-Radar: „Keine Ahnung. Aber ich schlage trotzdem Alarm vor.“ 🧠Szene 3: Die WG verliert Mitglieder Motivation: „Ich geh dann mal … war schön mit euch.“ Konzentration: „Ich komm später wieder. Vielleicht.“ Außenwelt (sieht): „Du hast doch gerade erst angefangen?“ Innenwelt (Chaos): „JA. UND?!“ 🧠Szene 4: Freeze betritt den Raum Freeze: „So. Ende Gelände.“ Alltagsperson: „Wir müssen das noch fertig machen!“ Freeze: „Nein.“ Alltagsperson: „Aber es ist wichtig!“ Freeze: „Auch nein.“ (Körper fährt runter. Denken stockt. Bewegung eingestellt.) 🧠Szene 5: Täterloyaler Anteil meldet sich Täterloyal: „Wir sind halt wieder zu unfähig. Andere schaffen das doch auch.“ Beschützer (sehr deutlich): „RAUS. Sofort.“
🧠Szene 6: Nachbesprechung in der WG Alltagsperson: „Warum können wir nichts beenden?!“ Beschützer: „Weil Beenden manchmal bedeutet: Gefahr, Bewertung, Sichtbarkeit, Erwartung.“ Körper: „Und weil wir bei Anfangen oft noch sicher sind – aber bei Beenden nicht mehr.“ Innenkind: „Anfangen ist Hoffnung. Beenden ist Risiko.“ 🧠Szene 7: Die Wahrheit, die niemand hören will Gedanken-WG gemeinsam: „Wir brechen Dinge nicht ab, weil wir faul sind. Oder undiszipliniert. Oder unmotiviert. Wir brechen ab, weil unser System irgendwann sagt: Bis hierher ging’s. Weiter gerade nicht.“ 🧠Szene 8: Außenwelt versucht es nochmal Außenwelt: „Du müsstest einfach dranbleiben.“ Gedanken-WG (freundlich lächelnd): „Du müsstest einfach unser Nervensystem übernehmen. Willst du? Nein? Schade.“ 💙WG-Fazit Wir können anfangen. Oft sogar richtig gut. Aber Beenden bedeutet für unser System oft:
Druck
Bewertung
Erwartung
Kontrollverlust
alte Muster
alte Gefahr Und dann zieht jemand im Inneren die Notbremse. Nicht aus Trotz. Nicht aus Faulheit. Sondern aus Schutz.
🏠Abschluss aus der Gedanken-WG Vielleicht ist das Ziel nicht: alles zu beenden. Vielleicht ist das Ziel erst mal: zu verstehen, warum wir anhalten. Und uns dafür nicht jedes Mal selbst rauszuwerfen. – Deine Gedanken-WG
Es gibt Tage, da ist der Supermarkt einfach nur ein Supermarkt. Und dann gibt es Tage, da ist er:
ein Meer aus Geräuschen,
ein grelles Lichtfeld,
ein Ort voller unbekannter Gesichter,
ein Labyrinth aus Reizen,
und ein Trigger für etwas, das ich nicht mal in Worte fassen kann.
Für andere ist der Einkauf Routine. Für mich ist er manchmal ein Kampf ums Dableiben, ums Atmen, ums Zusammenhalten, ums Überleben.
🚪 Vor der Tür – der erste Widerstand
Schon bevor ich reingehe, spüre ich sie: die Anspannung im Körper, das Ziehen im Inneren, die Frage:
👉 „Schaffen wir das heute?“
Sam ist leise und unsicher. Liss zieht sich zurück. Wednesday scannt alles und wirkt streng. Mila hüpft herum, ohne zu verstehen, warum wir angespannt sind. Lusy versucht, Klarheit reinzubringen.
Ich atme. Und gehe rein. Weil ich muss. Für die Kinder. Fürs Leben. Weil niemand sonst es für mich macht.
🍎 Gang 1 – Reize, die zu viel sind
Die Helligkeit. Das Piepen der Kassen. Menschen, die zu nah vorbeigehen. Gerüche, die etwas in mir anrühren, das ich nicht benennen kann.
Ich sehe Tomaten. Ich sehe Gurken. Ich sehe Menschen. Und alles verschwimmt ein bisschen.
Sam flüstert: „Es ist zu laut…“ Liss zieht sich tiefer zurück. Wednesday ist sofort angespannt. Mila redet ohne Punkt und Komma. Lusy versucht, Ruhe reinzubringen.
Und ich? Ich versuche, mich daran zu erinnern, was wir überhaupt brauchen.
🥫 Gang 2 – Alltägliche Dinge, die plötzlich unmöglich sind
Ich stehe vor einem Regal. Putzmittel. Ganz normale Putzmittel.
Und plötzlich passiert es: Ich bin da – und gleichzeitig nicht mehr. Die Welt wird leiser und weiter weg. Mein Kopf wie Watte. Ich funktioniere nicht mehr. Und ich merke:
👉 Ich dissoziiere.
Ein Anteil übernimmt. Welche? Ich weiß es erst hinterher.
Wenn ich wieder auftauche, halte ich ein Produkt in der Hand, von dem ich nicht weiß, wie es da hingekommen ist.
Innen ist Chaos. Außen sehe ich normal aus.
Und niemand merkt, dass ich gerade vollständig „weg“ war.
🥣 Gang 3 – Nudeln und verlorene Minuten
Ich stehe im Nudelgang. Ich erinnere mich daran, dass wir hier etwas brauchen. Ich weiß aber nicht mehr was. Mein Inneres driftet. Der Boden unter mir fühlt sich fremd an.
Dann:
Ein Wechsel. Ein zweiter Wechsel. Ein dritter.
Ich komme wieder zu mir und merke:
ich stehe woanders
mit anderen Dingen im Wagen
ich fühle mich fremd im eigenen Körper
Es sind Minuten vergangen. Vielleicht mehr. Ich weiß es nicht.
🧃 Gang 4 – Wenn die Seele flüchtet
Ein Kind schreit. Jemand hustet. Ein Einkaufswagen knallt. Gerüche mischen sich. Erinnerungen steigen auf.
Das Innen-System zieht sich zurück. Einer übernimmt. Ich verliere den Kontakt.
Ich bin körperlich anwesend – aber nicht wirklich da.
Diese Momente sind schwer. Weil sie zeigen, wie sehr mein Gehirn immer noch schützt, auch wenn ich eigentlich nur Schorle kaufen wollte.
💳 Gang 5 – Die Kasse und der Moment, den ich nie vergesse
Ich stehe an der Kasse. Menschen warten. Das Gerät blinkt. Ich weiß, dass ich bezahlen muss.
Aber mein Gehirn schaltet ab. Komplett.
Ich weiß wirklich nicht mehr:
wie man die Karte benutzt
wohin sie gehört
was der nächste Schritt ist
oder wie der Vorgang funktioniert
Ich starre das Gerät an, als wäre es ein Rätsel, das ich noch nie gesehen habe.
Innen:
Sam hat Angst.
Liss ist verschwunden.
Mila ist überfordert.
Wednesday ist im Alarmzustand.
Lusy versucht zu helfen.
Ich bin weg.
Und dann – ganz plötzlich – ein Anteil übernimmt. Bezahlt. Funktioniert.
Ich komme wieder rein und tue so, als wäre nichts passiert.
Aber in mir schreit alles:
👉 „Ich war gerade weg.“
🚗 Im Auto – Die Stille danach
Ich sitze endlich im Auto. Und es fällt ab. Alles.
die Überforderung
die Angst
das Zusammenhalten
das Verlorensein
die Müdigkeit
der Schmerz des Nicht-Dableibens
Ich spüre mich wieder. So halb. Genug, um zu sagen:
„Wir haben es geschafft.“
Aber auch:
„Warum muss so etwas Alltägliches so schwer sein?“
❤️ Fazit – Einkaufen mit DIS ist kein Witz. Es ist ein Kraftakt.
Es ist kein „bisschen Stress“. Es ist kein „ich mag keine Läden“.
Es ist ein Kampf:
gegen Überwältigung
gegen alte Erinnerungen
gegen Anteile, die Schutz brauchen
gegen Überlastung
gegen Leere
gegen Dissoziation
gegen das Gefühl, verloren zu gehen
Und trotzdem mache ich es.
Weil ich muss. Weil meine Kinder eine Mutter brauchen. Weil ich leben muss. Weil ich funktionieren muss. Weil ich keine Wahl habe.
Die Gedanken-WG sagt:
Lusy: „Mir schaffad des. A jeda Tag wieder.“
Sam: „Es ist schwer, aber wir versuchen’s zusammen.“
Liss: (leise) „Ich brauch Sicherheit…“
Wednesday: „Ich pass auf.“
Mila: „Wir haben’s geschafft!!“
Und ich… ich atme. Und fahre nach Hause. Mit Nudeln. Mit Schorle. Mit einem überlebten Tag.
(oder: Warum hier nie nur eine Meinung existiert) In einer normalen WG gibt es Streit über Müll, Musik oder Abwasch. In der Gedanken-WG streiten sich gleich ganze Überlebensstrategien. Nicht, weil wir kompliziert sein wollen. Sondern weil wir überlebt haben. 👥Die drei großen WG-Gruppen 🛡️ Beschützer Die mit dem Notfallkoffer im Flur. Sie sind schnell. Laut. Manchmal streng. Und immer überzeugt: „Gefahr! Jetzt!“ Sie schützen Grenzen, Körper, System. Auch dann, wenn die Außenwelt nichts Bedrohliches sieht. 🔗 Täterloyale Anteile Die missverstandenen WG-Mitglieder. Sie wirken widersprüchlich. Passen sich an. Relativieren. Wollen es „richtig machen“. Nicht, weil sie böse sind. Sondern weil sie gelernt haben: Anpassung = Überleben. Sie tragen alte Regeln, alte Stimmen, alte Loyalitäten. Und ja – das ist schwer auszuhalten. Auch für uns. 🧺Alltagspersonen Die, die einfach nur funktionieren wollen. Einkaufen. Termine. Kinder. Leben. Sie halten den Laden am Laufen und stehen oft zwischen allen Stühlen. 🎬Das WG-Drama Beschützer: „STOPP. Das ist gefährlich.“ Täterloyal: „Nein, wir müssen nett sein. Das war früher auch so.“ Alltagsperson: „Ich wollte eigentlich nur zur Apotheke.“ Und während außen jemand sagt: „Du wirkst doch ganz normal.“ läuft innen eine komplette Krisensitzung. 💙WG-Fazit Dieses Drama ist kein Chaos. Es ist ein Überlebenssystem, das zu lange zu viel tragen musste. Verstehen hilft. Einordnen hilft. Verurteilen schadet.