Am Rand eines neuen Jahres
Am Jahresanfang passiert bei mir selten das,
was überall erwartet wird.
Kein Überblick.
Kein Vorsatz.
Kein Gefühl von Jetzt geht’s los.
Eher so ein Stehenbleiben.
Wie am Rand von etwas Neuem,
ohne zu wissen,
ob man schon hineintritt.
Seit sich der Baby-Anteil integriert hat,
fühlt sich innen etwas verschoben an.
Nicht spektakulär.
Nicht ordentlich.
Aber eigener.
Ich beginne zu spüren,
wer ich sein will.
Was ich machen möchte.
Und auch,
was nicht mehr geht.
Das heißt nicht,
dass die anderen verschwunden sind.
Sie gehören zu mir.
Ich versuche, sie als Teile von mir zu akzeptieren.
Mal gelingt das,
mal stolpere ich darüber.
Aber ich verliere mich nicht mehr ganz.
Zum Jahreswechsel hat mir mein großes Kind erzählt,
dass sie dieses Jahr heiraten möchte.
Das hat mich unerwartet getroffen.
Nicht laut.
Eher tief.
Zeit hat sich zusammengefaltet.
Gestern saßen wir zu dritt irgendwo
und nichts war sicher.
Gar nichts.
Dass daraus ein
kommt gern nach Hause
geworden ist,
passt nicht in eine Jahresbilanz.
Aber es ist da.
Ich habe ein großes Kind.
Und zwei kleinere,
die mir ihre Sorgen und Wünsche erzählen.
Das fühlt sich nicht nach Erfolg an.
Eher nach Beziehung.
Nach etwas,
das langsam gewachsen ist.
In der Gedanken-WG wird der Jahresanfang
nicht gefeiert.
Er wird kurz angeschaut.
Mit Staunen.
Mit Müdigkeit.
Mit dem Gefühl,
dass sich etwas zusammensetzt,
ohne Plan.
Vielleicht ist das Identität.
Nicht als Ziel.
Sondern als Bewegung
über mehrere Jahre hinweg.
Am Rand dieses neuen Jahres
steht kein Vorsatz.
Nur dieses leise Gefühl:
Etwas gehört jetzt mehr mir.
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