
Es gibt Tage, da ist der Supermarkt einfach nur ein Supermarkt.
Und dann gibt es Tage, da ist er:
- ein Meer aus Geräuschen,
- ein grelles Lichtfeld,
- ein Ort voller unbekannter Gesichter,
- ein Labyrinth aus Reizen,
- und ein Trigger für etwas, das ich nicht mal in Worte fassen kann.
Für andere ist der Einkauf Routine.
Für mich ist er manchmal ein Kampf ums Dableiben,
ums Atmen,
ums Zusammenhalten,
ums Überleben.
🚪 Vor der Tür – der erste Widerstand
Schon bevor ich reingehe, spüre ich sie:
die Anspannung im Körper,
das Ziehen im Inneren,
die Frage:
👉 „Schaffen wir das heute?“
Sam ist leise und unsicher.
Liss zieht sich zurück.
Wednesday scannt alles und wirkt streng.
Mila hüpft herum, ohne zu verstehen, warum wir angespannt sind.
Lusy versucht, Klarheit reinzubringen.
Ich atme.
Und gehe rein.
Weil ich muss.
Für die Kinder.
Fürs Leben.
Weil niemand sonst es für mich macht.
🍎 Gang 1 – Reize, die zu viel sind
Die Helligkeit.
Das Piepen der Kassen.
Menschen, die zu nah vorbeigehen.
Gerüche, die etwas in mir anrühren,
das ich nicht benennen kann.
Ich sehe Tomaten.
Ich sehe Gurken.
Ich sehe Menschen.
Und alles verschwimmt ein bisschen.
Sam flüstert: „Es ist zu laut…“
Liss zieht sich tiefer zurück.
Wednesday ist sofort angespannt.
Mila redet ohne Punkt und Komma.
Lusy versucht, Ruhe reinzubringen.
Und ich?
Ich versuche, mich daran zu erinnern, was wir überhaupt brauchen.
🥫 Gang 2 – Alltägliche Dinge, die plötzlich unmöglich sind
Ich stehe vor einem Regal.
Putzmittel.
Ganz normale Putzmittel.
Und plötzlich passiert es:
Ich bin da – und gleichzeitig nicht mehr.
Die Welt wird leiser und weiter weg.
Mein Kopf wie Watte.
Ich funktioniere nicht mehr.
Und ich merke:
👉 Ich dissoziiere.
Ein Anteil übernimmt.
Welche?
Ich weiß es erst hinterher.
Wenn ich wieder auftauche,
halte ich ein Produkt in der Hand,
von dem ich nicht weiß,
wie es da hingekommen ist.
Innen ist Chaos.
Außen sehe ich normal aus.
Und niemand merkt,
dass ich gerade vollständig „weg“ war.
🥣 Gang 3 – Nudeln und verlorene Minuten
Ich stehe im Nudelgang.
Ich erinnere mich daran, dass wir hier etwas brauchen.
Ich weiß aber nicht mehr was.
Mein Inneres driftet.
Der Boden unter mir fühlt sich fremd an.
Dann:
Ein Wechsel.
Ein zweiter Wechsel.
Ein dritter.
Ich komme wieder zu mir und merke:
- ich stehe woanders
- mit anderen Dingen im Wagen
- ich fühle mich fremd im eigenen Körper
Es sind Minuten vergangen.
Vielleicht mehr.
Ich weiß es nicht.
🧃 Gang 4 – Wenn die Seele flüchtet
Ein Kind schreit.
Jemand hustet.
Ein Einkaufswagen knallt.
Gerüche mischen sich.
Erinnerungen steigen auf.
Das Innen-System zieht sich zurück.
Einer übernimmt.
Ich verliere den Kontakt.
Ich bin körperlich anwesend –
aber nicht wirklich da.
Diese Momente sind schwer.
Weil sie zeigen,
wie sehr mein Gehirn immer noch schützt,
auch wenn ich eigentlich nur
Schorle kaufen wollte.
💳 Gang 5 – Die Kasse und der Moment, den ich nie vergesse
Ich stehe an der Kasse.
Menschen warten.
Das Gerät blinkt.
Ich weiß, dass ich bezahlen muss.
Aber mein Gehirn schaltet ab.
Komplett.
Ich weiß wirklich nicht mehr:
- wie man die Karte benutzt
- wohin sie gehört
- was der nächste Schritt ist
- oder wie der Vorgang funktioniert
Ich starre das Gerät an,
als wäre es ein Rätsel,
das ich noch nie gesehen habe.
Innen:
- Sam hat Angst.
- Liss ist verschwunden.
- Mila ist überfordert.
- Wednesday ist im Alarmzustand.
- Lusy versucht zu helfen.
- Ich bin weg.
Und dann – ganz plötzlich –
ein Anteil übernimmt.
Bezahlt.
Funktioniert.
Ich komme wieder rein
und tue so,
als wäre nichts passiert.
Aber in mir schreit alles:
👉 „Ich war gerade weg.“
🚗 Im Auto – Die Stille danach
Ich sitze endlich im Auto.
Und es fällt ab.
Alles.
- die Überforderung
- die Angst
- das Zusammenhalten
- das Verlorensein
- die Müdigkeit
- der Schmerz des Nicht-Dableibens
Ich spüre mich wieder.
So halb.
Genug, um zu sagen:
„Wir haben es geschafft.“
Aber auch:
„Warum muss so etwas Alltägliches so schwer sein?“
❤️ Fazit – Einkaufen mit DIS ist kein Witz. Es ist ein Kraftakt.
Es ist kein „bisschen Stress“.
Es ist kein „ich mag keine Läden“.
Es ist ein Kampf:
- gegen Überwältigung
- gegen alte Erinnerungen
- gegen Anteile, die Schutz brauchen
- gegen Überlastung
- gegen Leere
- gegen Dissoziation
- gegen das Gefühl, verloren zu gehen
Und trotzdem mache ich es.
Weil ich muss.
Weil meine Kinder eine Mutter brauchen.
Weil ich leben muss.
Weil ich funktionieren muss.
Weil ich keine Wahl habe.
Die Gedanken-WG sagt:
Lusy:
„Mir schaffad des. A jeda Tag wieder.“
Sam:
„Es ist schwer, aber wir versuchen’s zusammen.“
Liss:
(leise) „Ich brauch Sicherheit…“
Wednesday:
„Ich pass auf.“
Mila:
„Wir haben’s geschafft!!“
Und ich…
ich atme.
Und fahre nach Hause.
Mit Nudeln.
Mit Schorle.
Mit einem überlebten Tag.