(Gedanken-WG | leiser Rückblick)
Es war ein Tag vor Weihnachten.
Und wie so oft
war Weihnachten schwierig.
Nicht laut.
Nicht dramatisch.
Sondern dieses innere Gedränge,
wenn Gefühle auftauchen,
die sich anfühlen,
als wären sie gar nicht meine.
In der Gedanken-WG war an diesem Tag viel los.
Zu viel.
🧠
Traurigkeit, die keinen aktuellen Grund hatte.
Angst ohne Adresse.
Schwere, die sich nicht erklären ließ.
Diese Gefühle gehörten nicht mir als Erwachsene.
Sie gehörten Anteilen.
Kleinen, alten, sehr wachen Anteilen.
Und sie saßen da.
Alle zusammen.
Am Boden.
So wie auf dem Bild.
Nicht, weil jemand sie dorthin gesetzt hätte.
Sondern weil Stehen zu viel war.
🌿
Manchmal ist Sitzen auf dem Boden
kein Rückzug.
Sondern Überleben.
Die Kinder in der Gedanken-WG waren an diesem Tag nicht fröhlich.
Nicht neugierig.
Nicht verspielt.
Sie waren traurig.
Erschöpft.
Und die mit den Kopfhörern war nicht panisch –
sie war verwirrt.
Dieses „Ich weiß nicht, was gerade passiert“.
Dieses „Ich fühle so viel und verstehe nichts davon“.
🚪
Und dann war da unsere Therapeutin.
Nicht mit Lösungen.
Nicht mit Erklärungen.
Nicht mit „Wir müssen da jetzt durch“.
Sie war einfach da.
Sie hielt.
Eine Hand an der Schulter.
Nicht fest.
Nicht locker.
Genau richtig.
🧸
Halt dort,
wo keiner war.
Und das war in diesem Moment
alles.
Kein Reparieren.
Kein Weitermachen.
Kein „Du musst doch…“.
Nur:
Ich sehe euch.
Ihr seid nicht allein.
Ihr dürft hier sein.
🪜
Und vielleicht war genau das
der kleine Schritt,
der alles verändert hat.
Nicht, weil danach plötzlich alles leicht war.
Sondern weil sich etwas sortieren durfte.
Die Gefühle durften da sein.
Ohne übernommen zu werden.
Ohne weggedrückt zu werden.
Sie durften getragen werden.
Und so wurde aus diesem schwierigen Vor-Weihnachtstag
etwas Unerwartetes:
🌿
Das ruhigste Weihnachten,
das ehrlichste,
das stimmigste,
das wir je hatten.
Nicht perfekt.
Aber echt.
Nicht fröhlich im klassischen Sinn.
Aber verbunden.
Vielleicht ist Entwicklung manchmal genau das:
Nicht weiter.
Sondern tiefer.
Nicht stärker.
Sondern gehalten.
Und manchmal reicht es,
wenn jemand da sitzt
und bleibt,
während in der Gedanken-WG alles wackelt.