Einmal pro Woche koche ich ehrenamtlich
für Kinder in einer Einrichtung.
Nichts Großes.
Keine Verantwortung für Abläufe.
Kein Druck.
Ich helfe beim Kochen.
Schneiden. Rühren. Aufräumen.
Die Menschen dort sind freundlich.
Wertschätzend. Entgegenkommend.
Ich mag sie wirklich.
💙 „Schön, dass du da bist.“
Und ja –
es macht auch Spaß.
Auf eine leise, gute Art.
Genau das ist das Problem.
Denn da ist noch etwas anderes
Ich wollte Karriere.
Nicht Titel.
Nicht Status.
Sondern:
- Verantwortung tragen
- gestalten
- führen
- Dinge aufbauen
- Wirkung haben
Ich war jemand,
der führt.
Nicht laut.
Nicht dominant.
Aber klar.
Ich habe geplant.
Organisiert.
Entscheidungen getroffen.
Strukturen gehalten.
Leistung gebracht.
🧠 „Das war der Plan.“
Und seit 2004
ist das nicht mehr selbstverständlich.
Nicht langsam weniger.
Nicht schrittweise.
Sondern weggebrochen.
Erst war es kurz schwierig
Die ersten zwei, drei Male.
Kein Rhythmus.
Nicht wissen, wo was liegt.
Neue Umgebung.
Neue Abläufe.
Dann war klar, wie es läuft.
Seitdem ist es Routine.
Und inzwischen fast langweilig.
Und genau da beginnt das eigentliche Problem.
Unterfordert
Nicht im Sinne von
„zu schade für diese Arbeit“.
Sondern:
Diese Tätigkeit fordert meinen Kopf null.
Kein Planen.
Kein Organisieren.
Kein Überblick.
Kein Mitdenken.
Ich kann das – wenn es geht –
mit Musik auf den Ohren erledigen.
Autopilot an.
🧠 „Das ist nichts.“
Überfordert
Und trotzdem:
Nach zweieinhalb Stunden
bin ich komplett fertig.
Der Körper schwer.
Der Kopf leer.
Das Nervensystem am Anschlag.
🫀 „Mehr ging nicht.“
Kein Stress.
Keine Hektik.
Keine Konflikte.
Und trotzdem:
erschöpft ohne Ende.
Unterfordert und überfordert gleichzeitig
Es ist gleichzeitig zu leicht
und zu viel.
Zu leicht für den Kopf.
Zu viel für das Nervensystem.
🧠 „Langweilig.“
🫀 „Überlebt.“
Beides zur selben Zeit.
Und das macht wütend.
Und jetzt kommt der Teil, den man nicht sieht
Diese Tätigkeit passiert nicht im luftleeren Raum.
Parallel läuft:
- der ständige Kampf mit Kostenträgern
- Anträge, Zuständigkeiten, Schwebezustände
- Therapie im Modus Umbau bei laufendem Betrieb
- Verantwortung für meine Familie
- Organisation von Alltag, Terminen, Stabilität
Nichts davon ist sichtbar,
wenn ich Gemüse schneide.
Aber es läuft mit.
🧠 „Vergiss das nicht.“
🫀 „Wir vergessen es nie.“
Unsichtbarer struktureller Druck
Es gibt keinen Alarm.
Keinen Knall.
Keinen klaren Gegner.
Nur:
- permanente Unsicherheit
- Verantwortung ohne Pause
- Entscheidungen ohne sichere Grundlage
Das frisst Energie.
Leise.
Kontinuierlich.
Und mein Kopf?
Der platzt.
Vor Ideen.
Vor Konzepten.
Vor Möglichkeiten.
🧠 „Man könnte doch…“
🧠 „Wenn wir das so machen würden…“
🧠 „Eigentlich müsste…“
Und dann sind da wir als System:
- unterschiedliche Bedürfnisse
- unterschiedliche Belastungsgrenzen
- unterschiedliche Vorstellungen davon, was geht
Alles will berücksichtigt werden.
Alles will zusammengebracht werden.
Und nichts davon hat gerade Platz.
Genau hier wird es brutal
Denn das eigentliche Problem
ist nicht das Ehrenamt.
Nicht das Kochen.
Das Problem ist:
Meine Stärken laufen im Leerlauf,
während mein Leben auf Hochlast läuft.
Ich kann:
- planen
- organisieren
- vorausdenken
- improvisieren
- führen
🧠 „Dafür war ich mal gedacht.“
Und hier?
Braucht das niemand.
Und wenn es gebraucht würde:
🫀 „Zu viel.“
Kein Undank. Wirklich nicht.
Das ist kein Abwerten der Arbeit.
Kein Abwerten der Menschen.
Kein „Ich bin besser als das“.
Es ist Trauer.
Um eine Karriere,
die möglich war.
Um Fähigkeiten,
die da sind.
Um ein Leben,
das ständig organisiert werden muss,
aber selten gestaltet werden darf.
Kein Fazit
Kein Trost.
Keine Lösung.
Nur dieser Zustand:
Unterfordert und überfordert gleichzeitig.
Mit Verantwortung ohne Bühne.
Mit Ideen ohne Raum.
Mit Stärken ohne Einsatz.
Das ist kein Widerspruch.
Das ist ein verdammt anstrengender Dauerzustand.
Und ja.
Das darf man zum Kotzen finden.